Zur Person

Merete de Kruyf
Merete de Kruyf

Jahrgang 1965

Mit meinem Mann lebe und arbeite ich in der Feldberger Seenlandschaft.

Neben meiner pädagogischen Arbeit ist es mir seit vielen Jahren wichtig, mich auch künstlerisch-kreativ mit mir und meiner Welt auseinanderzusetzen. Das wurde durch die Ereignisse 2020 noch einmal besonders dringlich.

Die digitale Arbeitsweise eröffnet mir unendliche Bilderwelten und Ausdrucksmöglichkeiten. Vor allem historische Fotos machen deutlich, dass die Menschen sich seit eh und je die gleichen Fragen stellen und ähnliche Bedürfnisse haben. Diese Fotos ermutigen mich, meine eigenen Gedanken, Gefühle und Wünsche auszuloten, bringen aber gleichzeitig in meine surrealen Traumwelten etwas „Wirkliches“ hinein, das mir hilft, die Bodenhaftung zu bewahren. So haben die „zwei Corona-Frauen“ in den 50er Jahren wegen des schlimmen Smogs in Philadelphia wirklich mit den Tüten über dem Kopf auf der Straße geplaudert. Das ist tatsächlich geschehen. Dieses Wissen gibt meinem Bild eine Kraft, die es nicht hätte, wenn ich die Tüten über die Frauen montiert hätte.

Das collagenartige Arbeiten kommt meinem Spieltrieb entgegen. Beim Auseinandernehmen und Neuzusammensetzen kann ich mir alles denken, ausdenken, V-E-R-R-Ü-C-K-T denken.

Im Spiel lässt sich alles berühren, ausloten, erfahren – auch das Düstere.

Im Spiel kann man bestimmen und sich gleichzeitig mitreißen lassen. Dann wird es lustig. Dann wird es befremdlich. Dann wird es unvertraut und abenteuerlich.

Und dort – an diesen unvertrauten, manchmal befremdlichen Bilderorten lerne ich mich besser kennen. Das stärkt meinen Eigen-Sinn und mein Selbst-Bewusstsein und hilft mir, meine Authentizität und Aufrichtigkeit weiter zu entwickeln.

Solche Qualitäten brauchen wir alle. Wir brauchen Menschen, die zu sich selbst stehen und mit anderen mitschwingen können. Wir brauchen fokussierte Menschen mit viel Fantasie. Wir brauchen Denker*Innen mit tiefen Gefühlen, aber ohne Sentimentalität. Wir brauchen Menschen, die sich selbst reflektieren und keine Bewertung von außen nötig haben, um sich selbst zu spüren. Dabei muss jeder Mensch seinen eigenen Weg finden und gehen.

Ich bin froh und sehr dankbar, dass Bilder mir dabei helfen, meinen Weg zu finden.