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Was will sich der Betrachter damit sagen?

Ich denke oft, dass bei allen Beziehungen eigentlich drei Parteien involviert sind: Du – ich – und ein Ausdruck dieser Verbindung (Ich nenne sie „das Tier“). Dieser Gedanke lässt sich auf viele Situationen übertragen. In Bezug auf ein Bild sind dann folgende Beteiligten dabei:

  • Ich, die Künstlerin (über diese Perspektive habe ich letztes Mal ein paar Worte gesagt),
  • der/die Betrachterin
  • und das „Tier“, was für mich in diesem Fall vielleicht der „Prozess“ wäre. Da klang im letzten Post auch schon etwas an, dass ich manchmal den Eindruck habe, dass der Prozess sich selbst herstellt und sich selbst ausdrückt.

Aber heute bastele ich an ein paar Gedanken zur Perspektive des Betrachters oder der Betrachterin.

Unmöglich kann sie im Bild genau das sehen, was ich als Künstlerin zeigen oder sagen will, denn sie ist nicht ich. Stattdessen bringt sie ihre eigene Perspektive mit, die auf ihrer ganz persönlichen Biografie, ihren Erfahrungen, ihren Wertvorstellungen, ihrer Sicht auf die Welt aufbaut.

Wenn mein Bild sie berührt (und ihn natürlich auch), dann deshalb, weil irgendetwas in meinem Bild auf eine persönliche Landebahn beim Gegenüber trifft und etwas auslöst – Gefühle, Gedanken. Und es werden gerade diese Gefühle und Gedanken beim Gegenüber ausgelöst, weil sie zu den ganz persönlichen Bedürfnissen des jeweiligen Gegenübers passen. Der/die Betrachterin benutzt mein Bild, um sich damit das zu besorgen und zu holen, was er/sie braucht. Das ist eine zutiefst private Angelegenheit.

Wenn ich mir als Betrachterin ein Bild ansehe, finde ich also die Frage - „Was will ich mir selbst beim Betrachten dieses Bildes sagen?“ - total gerechtfertigt.

(Noch ein kurzes Wort zum „Gendern“. Mir ist es wichtig, dass Sprache darauf aufmerksam macht, dass Frauen noch nicht immer „mitgedacht“ werden. Gleichzeitig habe ich manchmal aber auch ästhetische Probleme damit und finde es vom Sprachrhythmus her nicht immer schön und fließend, alle Artikel und Endungen korrekt zu berücksichtigen. Ich löse das Problem für mich, indem ich sehr nonchalant damit umgehe und zwischen „ihr“ und “ihm“ munter hin- und herwechsele, wie es mir in den Kram passt. Dann sind am Ende auch alle dabei…).

 

I often think that all relationships actually involve three parties: You - me - and an expression of that connection (I call it "the animal"). This thought can be applied to many situations.
In relation to a painting, then, the following parties are involved:

  • I, the artist (I said a few words about this perspective last time),
  • the viewer
  • and the "animal", which for me in this case would perhaps be the "process". There was also a hint in the last post that sometimes I have the impression that the process manufactures itself and expresses itself.

But today I'm tinkering with some thoughts about the perspective of the viewer or the viewer.
Impossibly, she can see in the painting exactly what I as an artist want to show or say, because she is not me. Instead, she brings her own perspective, based on her own personal biography, her experiences, her values, her view of the world.

If my image touches her (and him, of course), it's because something in my image hits a personal landing strip in the other person and triggers something - feelings, thoughts. And it is precisely these feelings and thoughts that are triggered in the counterpart, because they fit the very personal needs of the respective counterpart. The viewer uses my picture to get and fetch what he/she needs with it. This is a deeply private matter.

So when I look at a picture as a viewer, I find the question - "What do I want to tell myself when I look at this picture?" - totally justified.

(Another quick word about "gendering." It's important to me that language draws attention to the fact that women are not yet always "included." At the same time, I sometimes have aesthetic problems with it, and from the point of view of the rhythm of language, I don't always find it nice and flowing to include all articles and endings correctly. I solve the problem for myself by being very nonchalant about it and switching back and forth between "her" and "him" as it suits me. Then, in the end, everyone is in on it too...)

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