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Vorbilder können einem überall begegnen

Wir haben im Ort gerade für ein paar Tage ein Kinder-Kunstprojekt – ein Kunst-Kinderprojekt – Kunst für Projekt-Kinder…??? Jeden Tag besuche ich die Mädchen, um ihnen ein bisschen zuzuschauen und etwas mit ihnen zu plaudern.

Katinka ist 11 Jahre alt und macht Aquarelle in schwarz-weiß, die mich vom Hocker hauen. Sie schüttelt die einfach so aus dem Ärmel, als ob es nichts wäre. Da gibt es eine Regenszenerie mit Menschen, die unter Regenschirmen eine Straße entlanghasten. Katinka arbeitet so geschickt mit leeren Flächen, auf die sie schnell ein paar schwarze Akzente setzt – und zack, ist alles fertig. Ich kann den Regen förmlich riechen und die nassen Kleider der Leute fühlen.

Katinka erzählt, dass sie das Aquarellieren von ihrer Oma gelernt hat. „Ich mache gern Aquarell, weil es schnell geht. Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Diese vier Bilder hatte ich in zwei Stunden fertig. Und ich male nur in schwarz und weiß, weil ich noch nicht weiß, wie man richtig Farben mischt. Ich wüsste nicht, wo man da die Lichter setzt und so. Wenn ich nur in schwarzweiß male, muss ich mit niemandem diskutieren, ob meine Farben falsch sind“.

All das sagt sie mit einer ganz gelassenen Selbstsicherheit, die niemandem etwas beweisen will. Sie sucht nicht meine Aufmerksamkeit, freut sich aber über mein ehrliches Interesse und hat Freude an einem aufrichtigen Gespräch. Sie kennt sich selbst, sie weiß, was sie will, was sie kann und in welche Richtung sie weitergehen möchte. Gleichzeitig verschließt sie sich auch nicht, wenn etwas Neues vorbeikommt. Später sehe ich sie nämlich mit Farben eine Tasche bemalen – mit den Farben geht sie genauso selbstverständlich und frei um wie mit schwarz und weiß.

Als ich nach Hause radele, nehme ich mir eine dicke Katinka-Scheibe gelassener Selbstsicherheit mit. Davon werde ich zehren, wenn ich an grauen Regentagen mal wieder mit meinen Sachen am Hadern bin.

Vielen Dank, Katinka!

 

We have a children's art project in the village at the moment for a few days. Every day I visit the girls to watch them a bit and have a chat with them.

Katinka is 11 years old and does watercolours in black and white that blow me away. She just shakes them out of her sleeve like it's nothing. There is a rain scene with people rushing along a street under umbrellas. Katinka works so skilfully with empty spaces on which she quickly adds a few black accents - and bang, everything is ready. I can literally smell the rain and feel people's wet clothes.

Katinka tells me that she learned watercolour from her grandmother. "I like doing watercolour because it's quick. I am an impatient person. I finished these four paintings in two hours. And I only paint in black and white because I don't know how to mix colours properly yet. I wouldn't know where to put the lights and so on. If I paint only in black and white, I don't have to discuss with anyone whether my colours are wrong."

She says all this with a relaxed self-assurance that doesn't want to prove anything to anyone. She doesn't seek my attention, but is happy about my honest interest and enjoys a sincere conversation. She knows herself, she knows what she wants, what she can do and in which direction she wants to go further. At the same time, she doesn't close herself off when something new comes along. Later, I see her painting a bag with colours - she handles colours just as naturally and freely as she does black and white.

When I cycle home, I take a thick slice of Katinka's serene self-confidence with me. I'll draw on this when I'm struggling with my things again on grey rainy days.

Thank you, Katinka!

 

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