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Mein innerer Kritiker, mein guter Freund

"Das Bild ist Schrott! Du kannst sowieso nichts! Du kannst überhaupt gar nichts! Du – eine Künstlerin, das ist die totale Lachnummer!" Und so weiter…

Die Stimme saugt mir Kraft, Energie und Motivation weg. Und anscheinend gibt es auch nichts, was ich ihr entgegensetzen könnte. Dieser Kritiker findet mit tödlicher Präzision meine schwachen Seiten. Er führt mir anschaulich Situationen vor, in denen ich mich nicht von meiner besten Seite gezeigt habe. Wenn ich „Stopp“ sage, schweigt er für ein paar Sekunden, dann geht das Rad weiter. Wenn ich mich von einer Metaebene aus bemühe, mir selbst die Unlogik dieser inneren Vorwürfe und die maßlose Übertreibung klar zu machen, sagt der Kritiker nur: „Jaja, aber…“ und es geht wieder weiter.

Geholfen hat mir im Umgang mit diesem Thema das Konzept des „Inneren Teams“, das ich in meiner kommunikationspsychologischen Ausbildung am Schulz-von Thun-Institut kennengelernt habe. Nach diesem Modell wirken in uns in unterschiedlichen Kontexten verschiedene Persönlichkeitsanteile – eben „mehrere Seelen in der Brust“, die in unserem Inneren genauso aneinandergeraten können, wie Menschen in realen Situationen. Das Vertrackte ist nur, dass wir diese inneren Anteile nicht loswerden. Sie können nicht ausziehen!

Wenn wir einen Teil besonders ablehnen und ihn verdrängen, dann verbannen wir ihn nur in innere finstere Gewölbe, wo wir sein Schreien nicht mehr hören und wahrnehmen. Aber da ist er trotzdem. Und da er nicht gehört wird, benimmt er sich besonders unerhört, im schlimmsten Fall sogar selbstzerstörerisch.

Der Weg zur Heilung geht also genau andersherum. Den inneren Anteil wahrnehmen, ihm gut zuhören, herausfinden, was er uns mitzuteilen hat und dann nach Wegen suchen, wie wir ihm in unserem Inneren einen guten Platz geben können. Wie macht man das?

Ich tue das ganz konkret, indem ich ganz richtige Unterhaltungen mit mir selbst und meinen inneren Anteilen führe. Da ist ein „Oberhaupt“ in mir, quasi meine innere Führungskraft, die sich mit dem Kritiker zusammensetzt. Dafür stelle ich mir zwei Stühle auf, zwischen denen ich hin und herwechsele. Dann setze ich mich auf den Kritiker-Stuhl und erzähle aus dieser Perspektive – ganz und gar aus dieser Perspektive, worum es mir geht, warum ich handele, wie ich handele und warum ich so harsch und gnadenlos mit der Merete umgehe. Dieser Monolog wird nicht unterbrochen. Mein Kritiker kann sich endlich einmal alles von seiner Seele reden. Und da kommen sehr erstaunliche Aspekte zum Vorschein.

„Ich will nicht, dass Merete unvorbereitet scheitert. Ich will nicht, dass es sie fertigmacht, wenn jemand anders sie hart kritisiert. Also sage ich ihr selbst schon das Schlimmste, was man sagen könnte, damit sie sich abhärtet und sich von anderen Menschen nicht verletzen lässt“.

Mein Oberhaupt hört sich diese Worte des Kritikers an und kann erkennen, dass dieser Anteil sich im Grunde Sorgen um mich macht, mich beschützen und mir helfen will. Nach dem Monolog kann nun ein richtiger Dialog zwischen Oberhaupt und Kritiker beginnen.

Du kannst dieses Schrottbild doch nicht öffentlich zeigen!

Oh, Du hast also Befürchtungen, dass ich von anderen Leuten schlechte Kritiken für meine Arbeit bekomme?

Ja, genau!

Ja, danke, dass Du mich davor bewahren willst. Was können wir denn machen, wenn mich jemand kritisiert?

Wir können uns darauf vorbereiten und uns z. B. ein paar passende Antworten zurechtlegen.

Gute Idee. Und weiter - Was würdest Du denn brauchen, lieber Kritiker, damit Du Deine Warnungen etwas gemäßigter vorbringen kannst? So, wie Du auf Merete losgehst, tut es zu weh.

Ich hab einfach Angst, dass jemand anders ihr weh tut. Ich muss sicher sein, dass da in Team welche sind, die sie beschützen und ich muss sicher sein, dass das Oberhaupt alles im Griff hat.

Gut, ich verstehe. Ich finde es gut, dass Du Merete auf Aspekte hinweist, an denen sie weiter arbeiten soll. Aber ich will nicht, dass Du mit solcher Härte auf sie eindrischst.

Erst mal so weit.

Es geht also darum, mit dem inneren Anteil zusammen den Ist-Zustand der Situation zu betrachten und dabei die Perspektive des Kritikers respektvoll wahrzunehmen. Dann kann man allmählich herausarbeiten, was dieser Kritiker an Stärkung, Würdigung, Trost oder auch an Begrenzung braucht. Wenn das mit Aufmerksamkeit und Ruhe geschieht, wird seine Stimme allmählich leiser. Je mehr ich den Anteil integriere und ihn quasi aus der Gruft im Keller nach oben in die schöneren Räume hole, desto weniger muss er schreien. Er meldet sich dann nur, wenn er wirklich gute Hinweise für mich hat. Denn schließlich ist die Fähigkeit zu angemessener Selbstkritik ja eine sehr konstruktive, positive Kraft, auf die ich nicht verzichten möchte.

 

"The picture is rubbish! You can't do anything anyway! You can't do anything at all! You - an artist, that's a total laughing stock!" And so on...

The voice sucks away my strength, energy and motivation. And apparently there is nothing I can do to counter it. This critic finds my weak points with deadly precision. He vividly demonstrates situations in which I have not shown myself from my best side. When I say "stop", he is silent for a few seconds, then the wheel goes on. If I make an effort from a meta-level to make clear to myself the illogic of these inner reproaches and the excessive exaggeration, the critic only says: "Yes, but..." and it goes on again.

The concept of the "inner team", which I got to know during my communication psychology training at the Schulz-von Thun Institute, helped me to deal with this topic. According to this model, different parts of our personality are at work in different contexts - "several souls in our chest", which can clash inside us just like people in real situations. The tricky thing is that we can't get rid of these inner parts. They cannot move out!

If we reject one part in particular and repress it, then we only banish it to inner dark vaults where we no longer hear and perceive its cries. But it is still there. And because it is not heard, it behaves in a particularly unheard way, in the worst case even self-destructively.

So the path to healing goes the other way round. To perceive the inner part, to listen to it well, to find out what it has to tell us and then to look for ways to give it a good place in our inner being. How do you do that?

I do it very concretely by having very real conversations with myself and my inner parts. There is a "head" in me, my inner leader, so to speak, who sits down with the critic. For this I set up two chairs for myself, between which I switch back and forth. Then I sit down on the critic's chair and tell from this perspective - entirely from this perspective, what I am about, why I act, how I act and why I deal so harshly and mercilessly with the Merete. This monologue is not interrupted. My critic can finally get everything off his chest. And there very astonishing aspects come out.

"I don't want Merete to fail unprepared. I don't want it to get her down when someone else criticises her harshly. So I already tell her myself the worst thing that could be said so that she hardens herself and doesn't let other people hurt her."

My head listens to these words of the critic and can see that this share is basically worried about me, wants to protect me and help me. After the monologue, a real dialogue can now begin between the head and the critic.

You can't show this junk picture in public!

Oh, so you are afraid that I will get bad reviews for my work from other people?

Yes, exactly!

Yes, thank you for saving me from that. What can we do if someone criticises me?

We can prepare ourselves and come up with some appropriate responses, for example.

That's a good idea. And further - What would you need, dear critic, so that you can give your warnings in a more moderate way? The way you go after Merete hurts too much. I'm just afraid that someone else will hurt her. I have to be sure that there are those in the team who will protect her and I have to be sure that the head has everything under control. All right, I get it. I think it's good that you point out aspects to Merete that she should continue to work on. But I don't want you to come down on her with such harshness.

First this far.

The point is to look at the actual state of the situation together with the inner part and to respectfully perceive the critic's perspective. Then you can gradually work out what this critic needs in terms of strengthening, appreciation, comfort or even limitation. If this is done with attention and calmness, his voice will gradually become quieter. The more I integrate the part and bring it out of the crypt in the basement into the more beautiful rooms, the less it has to shout. He then only speaks up when he has really good advice for me. After all, the ability to be appropriately self-critical is a very constructive, positive force that I don't want to do without.

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