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Den Troll zum Tee einladen...

Ich fand den Ansatz des „positiven Denkens“ schon immer problematisch – weil es meiner Meinung nach den ganzheitlichen Blick auf die Welt verstellt. Ok, vielleicht hab ich auch nicht genug Ahnung, wie man das positive Denken richtig praktiziert…

Nur, was tu ich denn, wenn meine schlimmsten Befürchtungen Wirklichkeit werden??? Wenn ich eine Ausstellung eröffne und mir dann jemand gegenübersteht und meine Arbeiten in den Boden stampft? Wenn mir jemand sagt:  “Aus dir wird nie eine echte Künstlerin!“ Wenn jemand meint, dass ich mit meinen Arbeiten nichts zu sagen habe etc. etc.

Wenn ich meine Arbeit öffentlich mache, wenn ich mich zeige, werde ich über kurz oder lang auf Ablehnung stoßen. Das ist unvermeidbar und gehört einfach dazu.

Die Frage ist, wie ich gut damit umgehen kann. Wenn ich mir im Vorfeld nur eine rosarote Zukunft mit auf Flokati gebetteten Wegen ausgemalt habe, dann bin ich völlig unvorbereitet, wenn dann plötzlich ein Troll auf dem Flokati hockt.

Im Vorfeld tu ich also eher dies: Tasse Tee kochen, gemütlichen Sessel suchen, sich in einen Katinka-Zustand gelassener Selbstsicherheit versetzen (siehe Eintrag vom 13.07.22) – und dann in Gedanken den Troll einladen und das wildeste Szenario durchspielen. Richtig fiese Situationen ausmalen, in denen ich blöd angemacht und zusammengefaltet werde. Dabei auch die eigenen Gefühle zulassen, ausloten und richtig tief erkunden. Damit Strategien und Lösungsansätze entwickeln, die mich auf den „Ernstfall“ vorbereiten.

Und in der Situation selbst:

Sich klarmachen, dass die Kritik sich nur auf meine Arbeit beziehen kann. Nicht die Kritik auf sich als ganze Person beziehen. Vielleicht ist mein Bild nicht gut, aber deswegen bin ich kein dummer, unfähiger, wertloser Mensch. Solche Gedanken sofort stoppen.

Einen Satz in der Tasche haben, mit dem ich keinen Gegenangriff starte, der mir aber Zeit gibt und mir hilft, mich zu beruhigen: Oh, das finde ich ziemlich heftig, was Sie mir hier sagen. Das muss ich erstmal verdauen".

Vielleicht hat die Kritik weniger mit meiner Arbeit und eher mit dem Menschen vor mir zu tun. Vielleicht ist er einfach nicht das richtige Publikum, vielleicht hat er einen schlechten Tag, vielleicht hat er Kopfschmerzen, vielleicht hat er selbst zu Hause ein Bild, mit dem er nicht zufrieden ist… etc.etc.

Vielleicht ist mein Bild tatsächlich noch nicht richtig gut. Irgendwas funktioniert nicht. Dann kann ich herausfinden, was es ist – und das nächste Bild wird sehr viel besser werden. Merci!

Und klar – den narzisstischen, größenwahnsinnigen Weg kann ich auch gehen: Alles Idioten hier!

Mein Fazit: Weitergehen, weitermachen, weiterlernen – und Schluss mit dem positiven Denken!

 

I have always found the approach of "positive thinking" problematic - because in my opinion it distorts the holistic view of the world. Ok, maybe I don't know enough about how to practice positive thinking properly....

But what do I do when my worst fears become reality? If I open an exhibition and then someone stands in front of me and stomps my work into the ground? If someone tells me, "You'll never be a real artist!" When someone thinks I have nothing to say with my work etc. etc.?

If I make my work public, if I show myself, sooner or later I will meet with rejection. That is unavoidable and just part of it.

The question is how do I deal with it well? If I have only imagined a rosy future with a flokati-bedded path, then I am completely unprepared when a troll suddenly squats on the flokati.
So in the run-up I tend to do this: Make a cup of tea, find a cosy armchair, put myself in a Katinka state of calm self-confidence (see entry from 13.07.22) - and then invite the troll in my mind and play out the wildest scenario. Imagine really nasty situations in which I get picked on and folded up. Allow your own feelings to be explored and explored deeply. This helps me to develop strategies and solutions that prepare me for the "real thing".

And in the situation itself:

Realise that the criticism can only refer to my work. Do not refer the criticism to yourself as a whole person. Maybe my image is not good, but that doesn't make me a stupid, incompetent, worthless person. Stop such thoughts immediately.

Having a phrase in my pocket that I don't launch a counter-attack with, but that gives me time and helps me calm down: 'Oh, I think that's pretty intense what you're saying here to me. I have to deal with that first".

Maybe the criticism has less to do with my work and more to do with the person in front of me. Maybe he's just not the right audience, maybe he's having a bad day, maybe he has a headache, maybe he has a painting at home himself that he's not happy with... etc.etc.

Maybe my picture is actually not really good yet. Something is not working. Then I can find out what it is - and the next picture will be much better. Merci!

And sure - I can go the narcissistic, megalomaniac route too: All idiots here!

My conclusion: keep going, keep doing, keep learning - and no more positive thinking!

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